5 Fragen an die Opferperspektive
Rechte, rassistische und antisemitische Gewalt bedroht Menschen und ihren Alltag – auch dort, wo sie sich sicher fühlen sollten. Was brauchen Betroffene nach einem Angriff, und wie können Beratung, Netzwerke und Solidarität vor Ort helfen? Fünf Fragen an den Verein Opferperspektive über die Situation in Brandenburg, konkrete Unterstützung und die Bedeutung des Schutzes Betroffener für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
- Was ist die Opferperspektive und welchen Beitrag leistet sie zur Unterstützung von Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt im Land Brandenburg?
Die Opferperspektive ist die zentrale Anlaufstelle für Betroffene, Angehörige und Zeug*innen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg. Wir bieten vertrauliche, kostenlose und unabhängige Beratung – bei Bedarf auch mehrsprachig – und unterstützen Betroffene bei der Durchsetzung ihrer Rechte.
- An wen richten sich Ihre Angebote und wie unterstützen Sie Betroffene konkret?
Unser Angebot richtet sich an Menschen, die aus rassistischen, antisemitischen, queerfeindlichen oder anderen rechtsmotivierten Ideologien bedroht oder angegriffen werden. Dazu zählen etwa Angriffe aufgrund der politischen Haltung oder des gesellschaftlichen Engagements. Wir unterstützen Betroffene dabei die Folgen eines Angriffs zu bewältigen und die eigenen Rechte wahrzunehmen. Wir bieten einen sicheren Raum, um über das Erlebte zu sprechen und entwickeln gemeinsam Ansätze, um das eigene Sicherheitsgefühl und die Handlungsfähigkeit wieder zu erhöhen. Außerdem beraten wir zu den rechtlichen Möglichkeiten nach einem Angriff, helfen bei der Suche nach einem Rechtsbeistand und begleiten zu Terminen, etwa bei der Polizei oder vor Gericht.
- Welche Themen und Herausforderungen begegnen Ihnen derzeit besonders häufig – und welche Entwicklungen beobachten Sie bei rechter Gewalt und rassistischer Diskriminierung in Brandenburg?
Rechte und rassistische Gewalt bleibt in Brandenburg auf sehr hohem Niveau: 2025 haben wir 290 Gewalttaten dokumentiert, das sind mehr als fünf pro Woche. Besonders häufig begegnen uns derzeit rassistische Bedrohungen und Angriffe in der Nachbarschaft. Für Betroffene ist diese besonders belastend, weil die eigene Wohnung kein sicherer Rückzugsort mehr ist und sie jederzeit mit weiteren Übergriffen rechnen müssen. Hinzu kommt, dass sich rassistische Positionen im öffentlichen Diskurs weiter normalisieren. Viele Betroffene erleben, dass ihre Erfahrungen nicht ernst genommen werden und dass rassistische Übergriffe von Teilen der Bevölkerung hingenommen werden.
- Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit anderen Akteur:innen für Ihre Arbeit und welche Rolle spielen Netzwerke dabei, Betroffene zu unterstützen und Solidarität vor Ort zu stärken?
Die Vernetzung mit anderen Initiativen ist für unsere Arbeit sehr wichtig. Kooperationspartner*innen sind für uns oft der Schlüssel um unser Angebot bei den Menschen, die angegriffen werden, bekannt zu machen. Sie helfen uns, unsere Beratungsangebote bekannt zu machen und unterstützen bei der Meldung von rechten Übergriffen. Im Austausch entwickeln wir Ansatzpunkte, um gegen rechte Gewalt vor Ort aktiv zu werden. Und gemeinsam setzen wir uns für ein solidarisches Brandenburg für alle ein.
- Warum ist es aus Sicht der Opferperspektive wichtig, den Schutz und die Unterstützung von Betroffenen mit der Stärkung von Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt zusammenzudenken?
Rechte Gewalt verfolgt das Ziel einzuschüchtern und auszugrenzen. Sie richtet sich nicht nur gegen einzelne Menschen, sondern gegen alle, die von Rechten als „anders” markiert werden. Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind nur so stark wie der Schutz derjenigen, die von rechter Gewalt bedroht sind. Um rechter Gewalt Einhalt zu gebieten und Betroffene zu Stärken, braucht es daher neben unabhängige Beratungsstrukturen auch Strafverfolgungsbehörden die rechte Gewalt konsequent ahnden, eine Politik, die rechte Gewalt ächtet und der demokratischen Zivilgesellschaft den Rücken stärkt sowie Präventionsangebote, insbesondere für junge Menschen.
