Staatssekretär Dr. Wagner eröffnet Aktionswoche für Demokratie und Vielfalt in Blankenfelde-Mahlow

Eröffnung der Woche für Demokratie und Vielfalt

Es ist ein starkes Signal für ein tolerantes, weltoffenes Brandenburg sowie gegen Rechtsextremismus und Rassismus: Anlässlich des 30. Jahrestags des brutalen Anschlags auf Noël Martin hat Dr. Johannes Wagner, Staatssekretär im Ministerium für gesellschaftlichen Zusammenhalt, am heutigen Montag in Blankenfelde-Mahlow die Aktionswoche für Demokratie und Vielfalt eröffnet. Noch bis zum 21. Juni wird in der Gemeinde im Landkreis Teltow-Fläming mit zahlreichen Veranstaltungen des rassistischen Anschlags gedacht und zugleich deutlich gemacht, wie wichtig ein breites gesellschaftliches Engagement für Demokratie und Vielfalt in Zeiten von erstarkendem Rechtsextremismus ist. Die Eröffnungsveranstaltung wurde von der im Ministerium angesiedelten Koordinierungsstelle Gesellschaftlicher Zusammenhalt/Tolerantes Brandenburg gemeinsam mit der Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam und der von der Waisenhaus-Stiftung treuhänderisch verwalteten Noël- und Jacqueline-Martin-Stiftung organisiert.

Im Beisein von Negus Martin, dem Sohn von Noël Martin, sagte Staatssekretär Dr. Wagner: „Der unvorstellbar brutale Angriff auf Noël Martin vor 30 Jahren ist für uns heute Mahnung und Verpflichtung zugleich. Der Anschlag, bei dem die Gesundheit und das Leben eines Menschen von einem Moment auf den anderen zerstört wurden, hat auf erschütternde Weise verdeutlicht, wozu Rassismus letztlich führt. Auch heute sind Rassismus und Rechtsextremismus keine abstrakten Probleme, sondern bittere Realität. Rechtsextremismus und Intoleranz gefährden unser Zusammenleben als Gesellschaft. Lassen Sie mich eins in aller Deutlichkeit sagen: Als Landesregierung werden wir uns rechtsextremen Bestrebungen in den Weg stellen, wo immer sie auftreten. Klar ist aber auch: Das allein reicht nicht. Wir sind auf die Mitwirkung aller angewiesen, denen ein friedliches, weltoffenes Brandenburg wichtig ist, in dem alle Menschen in Würde und ohne Angst leben können. Ich wünsche mir, dass von der Aktionswoche viele solcher Impulse ausgehen und dass das schon jetzt breite gesellschaftliche Engagement zur Stärkung der Demokratie weiter Früchte trägt.“

René Schreiter, Geschäftsführer der Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam und der durch die Waisenhaus-Stiftung treuhänderisch verwalteten Noël- und Jacqueline-Martin-Stiftung: „Die Woche für Demokratie und Vielfalt geht aus dem Engagement hervor, das Noël Martin trotz aller Widerstände gelebt hat. Seine Stiftung fördert die Begegnung junger Menschen aus Brandenburg und Birmingham, um Vorurteile abzubauen und ein offenes Miteinander zu stärken. Mit dieser Woche gedenken wir nicht nur des Anschlags vor 30 Jahren, sondern heben die Wichtigkeit von Begegnung und Austausch hervor, um intolerante Einstellungen zu überwinden und unsere Demokratie zu stärken – genau wie Noël Martin es sich gewünscht hat.“

Höhepunkt der Aktionswoche ist eine zentrale Gedenkveranstaltung am morgigen Dienstag, an der auch Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke teilnimmt. An diesem Tag jährt sich der Anschlag auf Noël Martin zum 30. Mal. Der britisch-jamaikanische Unternehmer wurde am 16. Juni 1996 Opfer eines brutalen rassistischen Angriffs durch zwei Neonazis in Mahlow. Die Täter verfolgten sein Auto und warfen einen Stein durch die Scheibe, sodass Martin die Kontrolle über sein Auto verlor und gegen einen Baum prallte. Bei dem Angriff wurde er so schwer verletzt, dass er vom Hals abwärts querschnittsgelähmt und auf intensive Pflege angewiesen war.

Trotz seines schweren Schicksals engagierte er sich bis zu seinem Tod im Jahr 2020 für Verständigung und gegen Rassismus – zum Beispiel im Rahmen der Noël- und Jaqueline-Martin-Stiftung, die Jugendbegegnungen zwischen Mahlow und Birmingham durchführt. Die Tat zählt zu den bekanntesten Beispielen rassistischer Gewalt in Deutschland.

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung wird eine vom Verein Opferperspektive e.V. entwickelte Outdoor-Ausstellung über Todesopfer rechter Gewalt in Brandenburg mit dem Titel „Kein schöner Land“ gezeigt. Im Anschluss ist ein gemeinsamer Gang vom Bahnhofsvorplatz zum Mahnmal am Glasower Damm geplant – jene Strecke, die Noël Martin im Jahr 1996 zurücklegte, als er verfolgt wurde.

Zu den weiteren Veranstaltungen innerhalb der Aktionswoche zählen unter anderem eine Lesung für Jugendliche, ein Workshop für Grundschulkinder zum Thema Rassismus sowie ein Diversity-Workshop für Jugendliche nebst Austausch mit Gästen der britischen Organisation „Purple R Diamond“ über die Lebenswelten von Jugendlichen aus Blankenfelde-Mahlow und Birmingham.

Hintergrund

Die Koordinierungsstelle Gesellschaftlicher Zusammenhalt/Tolerantes Brandenburg steuert die Handlungskonzepte gegen Extremismus, Antisemitismus und Rassismus innerhalb der Landesregierung. Sie koordiniert ressortübergreifende Vorhaben, unterstützt und entwickelt Strategien für den demokratischen Zusammenhalt, sie sensibilisiert die Öffentlichkeit, arbeitet mit zivilgesellschaftlich Aktiven zusammen, fördert deren Engagement und verknüpft vorhandene Strukturen zwischen Staat und Zivilgesellschaft. Seit dem 1. Mai 2026 ist sie im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt angesiedelt.


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