5 Fragen an das Aktionsbündnis Brandenburg
Das Aktionsbündnis Brandenburg unterstützt seit fast 30 Jahren Menschen und Initiativen, die sich für Demokratie, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander einsetzen. Doch wie erleben die Engagierten die aktuelle Situation im Land? Welche Herausforderungen begegnen ihnen und was gibt ihnen Hoffnung?
Darüber haben wir mit Maica Vierkant, Leiterin der Geschäftsstelle des Aktionsbündnisses Brandenburg, gesprochen.
- Was ist das Aktionsbündnis Brandenburg und welche Rolle spielt es für die demokratische Kultur in Brandenburg?
Wir sind landesweites Netzwerk all jener, die sich aktiv gegen Rechtsextremismus und Rassismus engagieren. Dazu gehören lokale und regionale Bündnisse aus vielen Städten und Regionen Brandenburgs, aber auch landesweite Organisationen wie die Opferperspektive, der Flüchtlingsrat, die Wohlfahrtsverbände, die Kirchen und viele mehr. In Potsdam betreiben wir dafür eine Geschäftsstelle, die für alle Engagierten da ist – egal, ob sie bei uns Mitglied sind oder nicht. Zusammen mit unseren aktuell 100 Mitgliedern feiern wir im kommenden Jahr unser 30jähriges Bestehen.
- Wie unterstützt ihr konkret im Umgang mit gesellschaftlichen Konflikten oder demokratiefeindlichen Tendenzen?
Die Demokratie lebt vom Engagement vieler kleiner und großer Akteure in Brandenburg, die sich dem Rechtsextremismus und Rassismus vor Ort mutig entgegenstellen. Wir sind ein wichtiger Teil der Vernetzung, bei uns läuft vieles zusammen. Wir fragen, was die Menschen im Land für ihr
Engagement brauchen und unterstützen mit Infomaterial, Publikationen, Diskussionsveranstaltungen und manchmal auch einfach mit Know-How. Unsere Projekte „Brandenburg ’33 – Erinnern vor Ort“ und die Website www.stolpersteine-brandenburg.de legen den Fokus aus Erinnerungspolitik; mit unserer Kampagne „Schöner leben ohne Nazis“ sprechen wir Jugendliche und junge Erwachsene an.
- Welche Herausforderungen begegnen euch aktuell besonders häufig in eurer Arbeit?
Rechte Gewalt ist in Brandenburg leider gerade auf einem RekordniveauRechtsextreme fühlen sich in ihrem Handeln durch die Erfolge der in Brandenburg als erwiesen rechtsextrem eingestuften AfD ermutigt. Und es sind verstärkt junge Neonazis aktiv, zum Teil unterstützt von der Partei Der III. Weg. Aus diesem Milieu wurde im vergangenen Jahr das Fest „Bad Freienwalde ist bunt“ angegriffen. Auch in Südbrandenburg gab es in jüngster Zeit zahlreiche Angriffe, unter
anderem auf eines unserer Vorstandsmitglieder. Bei den CSDs kommt es regelmäßig zu Bedrohungen und gewalttätigen Attacken. Es ist wichtig zu verstehen, dass all dies ein Angriff auf uns alle ist, auf all jene, die sich für ein offenes, vielfältiges und demokratisches Brandenburg einsetzen.
- Wie erlebt ihr die Zusammenarbeit mit lokalen Akteur*innen?
Wir sind immer wieder aufs Neue begeistert, mit wie viel Mut, Kreativität und Energie sich vor Ort Menschen zusammentun, wenn sie Demokratiefeste oder Proteste gegen Rechtsextremismus organisieren. Auch in den oft schwierigen Situationen stärken sie sich gegenseitig und machen
demokratisches Engagement sichtbar. Das haben wir zum Beispiel bei dem Netzwerk rund um das Fest in Bad Freienwalde gesehen, das trotz des Angriffs eine tolle und sogar Mut machende Veranstaltung war. Die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg oder das Brandenburger Netzwerk der OMAS GEGEN RECHTS sind Zusammenschlüsse, die den Menschen viel Halt geben. Davon brauchen wir mehr, denn nur so schaffen wir es, der Resignation und der Verunsicherung zu begegnen, die es leider auch vielerorts gibt.
- Was motiviert euch, euch für demokratische Teilhabe und ein starkes Gemeinwesen einzusetzen?
Es gibt einfach so viele tolle Menschen in Brandenburg, die unter schwierigsten Bedingungen Großartiges auf die Beine stellen, die sich nicht entmutigen lassen und die es nicht hinnehmen, dass rechtsextreme und rassistische Positionen zunehmend normalisiert werden. Ich freue mich jeden Tag darüber, dass ich diese Menschen nach meinen Möglichkeiten unterstützen darf. Das Aktionsbündnis Brandenburg wurde gegründet, um aktiven Widerspruch zu leisten, um Engagierte zu stärken und um aktiv zu werden, bevor es zu spät ist. Wir leben in schwierigen Zeiten, vieles, was wir alle über Jahre aufgebaut haben, droht wegzubrechen. Deswegen brauchen wir Verbündete. Aufhören ist für die meisten Engagierten zum Glück keine Option. Das ist unser täglicher Ansporn.
