Beratung, Prävention uns Aufklärung: Die Fachstelle Islam Brandenburg im Porträt
Ob Unsicherheiten im Umgang mit religiösen Themen, konkrete Konfliktlagen vor Ort oder die Prävention von Extremismus: Die Fachstelle Islam Brandenburg unterstützt Fachkräfte, Institutionen und Privatpersonen landesweit mit Beratung und Fortbildung. Als unabhängige zivilgesellschaftliche Anlaufstelle leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der demokratischen Kultur in Brandenburg. Im Interview berichtet das Team von aktuellen Herausforderungen, der Bedeutung von Kooperationen und ihrer Motivation, sich für eine offene und widerstandsfähige Gesellschaft einzusetzen.
- Was ist die Fachstelle Islam und welche Rolle spielt sie für die demokratische Kultur in Brandenburg?
Die Fachstelle Islam im Land Brandenburg ist eine unabhängige Anlaufstelle für staatliche und nichtstaatliche Einrichtungen sowie Institutionen wie Kommunen, Träger der Kinder- und Jugendarbeit, Wohlfahrtseinrichtungen, Schulen, Verbände und Privatpersonen. Sie ergänzt als landesweit tätige Ansprechpartnerin die Angebote der regional verankerten Büros der RAA und von demos um Beratungen und Fortbildungen zum Themenfeld „Islam“. Gleichzeitig fungiert die Fachstelle auch als zivilgesellschaftliche Stelle der Islamismus-Prävention in Brandenburg, indem sie Betroffene berät, Gegenmaßnahmen entwickelt und zu aktuellen Entwicklungen im Feld des Islamismus sensibilisiert und aufklärt. Sie verfügt über ein vierköpfiges Team aus Fachleuten der Islam-, Religions- und Rechtswissenschaften sowie der Arabistik.
- Wer kann von der Fachstelle Islam Unterstützung erhalten und wie unterstützt ihr konkret im Umgang mit gesellschaftlichen Konflikten oder demokratiefeindlichen Tendenzen?
Für Einrichtungen und Privatpersonen in Brandenburg sind alle Angebote der Fachstelle Islam kostenlos und können ebenfalls online stattfinden. Das vierköpfige Team führt je nach Bedarf vertrauliche Beratungen oder Fortbildungen zu entsprechenden Themen durch. Mit dem Ziel, vor Ort Handlungssicherheit zu stärken, hilft die Fachstelle Brandenburger Fachkräften bspw. dabei, konflikthafte Situationen fachlich einzuordnen und angemessen zu reagieren. Gleichzeitig leistet sie Präventionsarbeit, um Polarisierung und demokratiefeindlichen Entwicklungen entgegenzuwirken. Die Angebote können bei Bedarf auch auf Englisch, Arabisch, Persisch, Tschetschenisch, Russisch und Französisch durchgeführt werden.
- Welche Herausforderungen begegnen euch aktuell besonders häufig in eurer Arbeit vor Ort?
Beratungen und Fortbildungen zu Sachverhalten mit Islambezug sind oft durch Unsicherheiten und fehlendes Hintergrundwissen gekennzeichnet. Oft begegnet uns Neugier, ab und zu aber auch Skepsis und Sorge. Bei Radikalisierungsverdachtsfällen oder tatsächlichen Fällen von Islamismus oder anders gelagerten Konflikten sind unsere Beratungsnehmerinnen und -nehmer teilweise stark verängstigt – nicht selten fühlen sich Menschen in solchen Situationen ohnmächtig und wollen die Probleme inklusive deren Bearbeitung möglichst in externe Verantwortlichkeit delegieren. Gerade in diesen von Angst und Überforderung geprägten Beratungssituationen gilt es, schnell und klar Verantwortung in der Beratung zu übernehmen, ohne dabei aber die Verantwortlichkeit für die konkrete Problembearbeitung von den anfragenden Stellen zu lösen. Verantwortlichkeit muss vor Ort bleiben - und das gelingt nur, wenn das Vertrauen in die eigene Handlungssicherheit gestärkt wird. Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich hierbei insbesondere das Format des runden Tisches bewährt, da hier verschiedene lokale Akteurinnen und Akteure gemeinsam an einem Problem arbeiten, das sie alle betrifft.
- Wie erlebt ihr die Zusammenarbeit mit anderen Akteur:innen?
Die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren im Feld ist zentraler Bestandteil und Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Arbeit der Fachstelle: Bei der Kooperation und Koordination in Beratungsfällen vor Ort, bei der Durchführung von gemeinsamen Fachveranstaltungen, beim kollegialen Austausch zu Problemlagen und möglichen Lösungsansätzen. Angesichts wachsender Herausforderungen und besorgniserregender Entwicklungen im Bereich Extremismus stärkt die Zugehörigkeit zu Formaten wie dem Beratungsnetzwerk und anderen Zusammenschlüssen und AGs uns als Fachstelle maßgeblich den Rücken. Gleichzeitig sehen wir es als unsere Aufgabe, diesen „Geist“ der Kooperation und gegenseitigen Unterstützung so auch weiterzutragen.
- Was motiviert euch, euch gegen Islamismus und für eine starke Demokratie einzusetzen?
Jede Form von Extremismus ist gefährlich, egal ob er sich in nationalistische Farben oder ein religiöses Gewand hüllt. Islamistische Gruppierungen arbeiten auf die Errichtung einer Staats- und Gesellschaftsform hin, in der weder Menschenrechte gelten noch freiheitlich-demokratische Werte geduldet werden. Gleichzeitig verschleiern viele Islamisten ihre antidemokratischen Bestrebungen und menschenfeindlichen Einstellungen geschickt. Sie beanspruchen darüber hinaus die Deutungshoheit über bestimmte Themenbereiche und erheben einen Machtanspruch gegenüber ganzen Bevölkerungsgruppen. Menschen dabei zu helfen, sich vor diesem Machtanspruch zu wehren, sie im Ringen um die Deutungshoheit durch Vermittlung von Fakten zu unterstützen, extremistische Umtriebe trotz geschickter Verschleierungsversuche zu benennen und Gemeinschaften bei der Entwicklung von konkreten Gegenmaßnahmen gegen islamistische Akteure zu beraten, ist Herausforderung und Antrieb zugleich. Als zivilgesellschaftlicher Träger sehen wir unsere Rolle darin, für alle Menschen möglichst niedrigschwellig ansprechbar zu sein, sie individuell zu unterstützen und erste Einschätzungen in verschiedenen Situationen zu ermöglichen. Die Dankbarkeit, die wir von Betroffenen bei Beratungsprozessen
