Beratung, Prävention und Monitoring: die Fachstelle Antisemitismus Brandenburg im Porträt

Logo der Fachstelle Antisemitismus Brandenburg

Antisemitismus stellt eine ernsthafte Bedrohung für das Zusammenleben und die demokratische Kultur in Brandenburg dar. Die Fachstelle Antisemitismus Brandenburg setzt sich landesweit für die Unterstützung Betroffener, die Dokumentation antisemitischer Vorfälle und die Stärkung einer antisemitismuskritischen Haltung in Gesellschaft und Institutionen ein. Im folgenden Porträt gibt die Fachstelle Einblick in ihre Arbeit, aktuelle Herausforderungen und ihre Motivation für ein solidarisches Brandenburg.

  1. Was ist die Fachstelle Antisemitismus und welche Rolle spielt sie für den Umgang mit Antisemitismus und die Stärkung der demokratischen Kultur in Brandenburg?

Die Fachstelle Antisemitismus Brandenburg ist die zentrale, zivilgesellschaftliche Erstanlaufstelle für Betroffene von Antisemitismus im Land Brandenburg und zuständig für das Monitoring antisemitischer Vorfälle und Straftaten (auch unterhalb der Strafbarkeitsgrenze). In Form eines jährlich erscheinenden Monitoringberichts informiert sie die Öffentlichkeit über aktuelle Zahlen und Folgen von Antisemitismus und liefert damit eine wichtige Grundlage für Prävention, politische Strategien und den Schutz jüdischen Lebens in Brandenburg.

Des Weiteren bietet die Fachstelle Antisemitismus (FAB) gezielte Fort- und Weiterbildungsformate zu den Themenfeldern jüdisches Leben und Antisemitismus an. Auf diese Weise leistet die Fachstelle einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der demokratischen Kultur, indem sie Menschen befähigt, Antisemitismus zu erkennen, zu benennen und ihm aktiv entgegenzutreten. Zudem macht sie jüdisches Leben und jüdische Perspektiven sichtbar und wirkt so Stereotypen und Vorurteilen entgegen.

  1. Wie unterstützt ihr konkret Betroffene, Gemeinden oder Initiativen im Umgang mit antisemitischen Vorfällen und gesellschaftlichen Konflikten?

Wir unterstützen Betroffene antisemitischer Vorfälle zunächst durch eine vertrauliche Erstberatung. Wenn weitere Schritte notwendig sind, stellen wir den Kontakt zu spezialisierten Beratungsstellen, Unterstützungsangeboten und/oder zu Sicherheitsbehörden her und begleiten Betroffene bei diesen Prozessen. Dabei übernehmen wir eine vermittelnde und koordinierende Rolle. 

Darüber hinaus beraten wir Gemeinden, Initiativen und Institutionen fallbezogen im Umgang mit antisemitischen Vorfällen. Wir unterstützen bei der Einordnung der Situation, der Entwicklung von Handlungsstrategien sowie bei Kommunikation und Prävention, um Handlungssicherheit zu stärken.

Unser Ziel ist es also, Betroffene zu entlasten, solidarische Strukturen zu stärken und einen demokratischen, antisemitismuskritischen Umgang mit gesellschaftlichen Konflikten zu fördern.

  1. Welche Formen von Antisemitismus begegnen euch aktuell besonders häufig, und welche Herausforderungen ergeben sich daraus für eure Arbeit?

Aktuell stechen vor allem drei Formen von Antisemitismus besonders hervor – eine Tendenz, die sich auch in anderen Bundesländern abzeichnet: der sogenannte Post-Shoah-Antisemitismus (z.B. durch die Relativierung oder Umdeutung der Shoah), antisemitische Vorfälle im Zusammenhang mit Israel (sogenannter „israelbezogener Antisemitismus“) sowie verschiedene Formen des antisemitischen Otherings, bei denen Jüdinnen und Juden als „fremd“ und nicht zugehörig markiert werden. Diese zeigen sich nicht nur in unterschiedlichen Kontexten - etwa im öffentlichen Raum, in Bildungseinrichtungen, an Erinnerungsorten oder in sozialen Medien – sondern äußern sich auch auf verschiedene Arten und Weisen.

Eine zentrale Herausforderung ist, dass Antisemitismus als solcher nicht immer sofort erkannt und/oder benannt wird. Für unsere Arbeit ergibt sich daraus, dass der Sensibilisierung für den Phänomenbereich Antisemitismus, der Vermittlung von Wissen über historischen wie gegenwärtigen Antisemitismus sowie der Ausbildung und Stärkung spezifischer Handlungskompetenzen eine besondere Bedeutung zukommt.

  1. Wie erlebt ihr die Zusammenarbeit mit lokalen Akteur*innen – etwa mit Kommunalverwaltungen, Bildungseinrichtungen oder zivilgesellschaftlichen Initiativen?

Wir arbeiten in Brandenburg mit einem über viele Jahre gewachsenen Netzwerk engagierter Akteur:innen zusammen und sind in verschiedene Gremien und Austauschformate eingebunden, die von vertrauensvoller Zusammenarbeit und Offenheit geprägt sind. Gleichzeitig erleben wir – seit dem 07.10. deutlich verstärkt – eine große Verunsicherung im Umgang mit Antisemitismus. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach unserer Unterstützung, und die Anfragen erreichen uns aus sehr unterschiedlichen Bereichen und Kontexten. 5.      Was motiviert euch persönlich, euch gegen Antisemitismus und für demokratische Teilhabe sowie ein solidarisches Gemeinwesen einzusetzen?

Wir sind überzeugt, dass Brandenburg nach wie vor für Weltoffenheit, Toleranz und demokratische Teilhabe steht. Als Brandenburger:innen ist es uns ein wichtiges Anliegen, einen aktiven Beitrag zum Fortbestand dieser Werte zu leisten und gegen jegliche Form von Diskriminierung, Ausgrenzung und Hass einzustehen.

Jüdisches Leben sichtbar zu machen, Ausgrenzung und Gewalt entschieden entgegenzutreten und Menschen zu befähigen, Haltung zu zeigen, verstehen wir als unverzichtbaren Bestandteil eines demokratischen Fundaments Brandenburgs.

Weitere Informationen zur Arbeit der Fachstelle Antisemitismus Brandenburg sowie Kontaktmöglichkeiten finden Sie auf der Website: Startseite – Fachstelle Antisemitismus Brandenburg


Anschrift:

Koordinierungsstelle „Tolerantes Brandenburg“
in der
Staatskanzlei des Landes Brandenburg
Heinrich-Mann-Allee 107
14473 Potsdam