Moderner Rechtsextremismus in Deutschland
In den öffentlichen Debatten der letzten Jahre wurde der Rechtsextremismus zu einer übermächtigen und allgegenwärtigen Bedrohung stilisiert, und damit einhergehend veränderten sich auch die Vorstellungen darüber, was als rechtsextrem zu gelten habe. Gewaltexzesse junger Männer werden ebenso wie das gesetzlich geregelte Inländerprivileg am Arbeitsmarkt großzügig als rechtsextrem apostrophiert. Sozialwissenschaftlich vom Rechtsextremismus zu sprechen heißt deshalb, dessen Praxis ebenso zu untersuchen wie Diskurse über den Rechtsextremismus und alarmierende Entwicklungen vom öffentlichen Alarmismus zu unterscheiden.
Die Autoren konzentrieren sich auf den Rechtsextremismus der vergangenen 15 Jahre. Charakteristisch für diesen Zeitraum ist die Gleichzeitigkeit von Modernisierung und Tradition: Die weltanschaulichen Fundamente der rechtsextremen Gruppen sind die alten geblieben, die Organisations- und Aktionsformen haben sich in weiten Teilen nicht verändert und die hohe Affinität zum maskulinen Schlägermilieu ist ebenfalls noch aktuell. Gleichzeitig lassen sich Veränderungen beobachten, die in einem hohen Tempo erfolgt sind. Der Rechtsextremismus ist zu einer sozialen Bewegung geworden, die die Erfahrungen älterer Bewegungen, dass es keine Macht ohne öffentliche Aufmerksamkeit gibt, aufgenommen hat. Im Zuge einer taktischen Zivilisierung werden regelkonforme Strategien des öffentlichen Auftretens verfolgt. Bewegungsunternehmer setzen auf eine langfristige Demonstrationspolitik und die Wirkung einer kommunalpolitischen Einmischung, gezielt vertriebene Weltanschauungsmusik macht junge Leute neugierig, und Jugendarbeit bindet sie ein.
Das weite Spektrum der thematischen und methodischen Zugänge zeichnet die Transformations- und Modernisierungsprozesse, die Organisations- und Aktionsformen sowie die Ideologien des modernen Rechtsextremismus nach.
Mit Beiträgen von:
Döring, Uta
Erb, Rainer
Flad, Henning
Geden, Oliver
Klärner, Andreas
Klemm, Jana
Kock, Sonja
Kötting, Michaela
Kohlstruck, Michael
Münch, Anna Verena
Strobl, Rainer
Virchow, Fabian
Wiezorek, Christine
Würtz, Stefanie
Zu den Herausgebern :
Andreas Klärner, Soziologe, 2001 bis 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter
im Arbeitsbereich »Nation und Gesellschaft « im Hamburger Institut für
Sozialforschung.
Michael Kohlstruck, Dr. phil., Politikwissenschaftler, Mitarbeiter an
der »Arbeitsstelle Jugendgewalt und Rechtsextremismus« des Zentrums für
Antisemitismusforschung der TU Berlin.
344 Seiten. Gebunden mit 17 Tabellen. Euro 35,00 (inkl. 7%
MWSt.) ISBN 978-3-936096-62-0
Erschienen im Februar
2006
Gespräch mit Michael Kohlstruck, PNN, 11.04.2006
http://www.pnn.de/brandenburg/index.asp?gotos=http://archiv.tagesspiegel.de/toolbox-pnn.php?ran=on&url=http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/11.04.2006/2465449.pnn#art